Infrastrukturen als Basis des Zusammenlebens – Bremer Stadtdialog am 25.11.2025
Der Bremer Stadtdialog als Veranstaltungsreihe von insgesamt zehn Bremer Institutionen aus dem Kontext des Planens und Bauens griff in seiner letzten Ausgabe des Jahres 2025 ein Thema auf, das hohe Ingenieurrelevanz aufweist: Infrastrukturen, vor allem für Mobilität, und deren Bedeutung für die aktuelle und zukünftige Stadtentwicklung. Die Patenschaft für den Stadtdialog übernahmen die Ingenieurkammer Bremen und die Vereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure der Freien Hansestadt Bremen in Kooperation. Der Kammervizepräsident und Landesvorsitzende der VSVI, Markus Mey, begrüßte rund 80 interessierte Gäste im Haus der Wissenschaft, er moderierte gleichzeitig die Veranstaltung.
Dass auch viele vermeintlich Studierende die Vorträge und Diskussion verfolgten mag sicher auch an der ersten Impulsgeberin, Prof. Dr. Stefanie Bremer gelegen haben, die kürzlich die Professur für Verkehrswesen an der Hochschule Bremen (Abteilung Bau und Umwelt) übernommen hat. In Ihrem Vortrag wies sie auf die Komplexität der integrierten Verkehrsplanung hin und stellte klar: Es kann mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht gelingen, alle Umlandgemeinden mit hinreichendem ÖPNV-Angebot auszustatten – im Rahmen einer Verkehrswende wird es immer auch einen berechtigten Anteil an motorisiertem Individualverkehr – dem Auto – geben. Allerdings sind es manchmal schon die kleinen Maßnahmen, die viel bewirken können und fast nichts kosten: Über Pooling-Initiativen von Arbeitgebern beispielsweise lasse sich in den Pendlerverkehren schon eine erhebliche Anzahl der Kraftfahrzeuge reduzieren. Der große Wurf, der auch signifikante bauliche Änderungen der Verkehrsinfrastruktur ermögliche, benötige einen besonderen Anlass – beispielsweise eine Olympia-Bewerbung Bremen oder die aktuell tatsächlich diskutierte Internationale Bauausstellung (IBA).
Diese Vorlage griff der zweite Impulsgeber, der Stadtplaner Arend Bewernitz (aktuell Abteilungsleiter Stadtplanung und Bauordnung im Bauressort, ab Februar 2026 Senatsbaudirektor) gerne auf: Für das Leitbild der nachhaltigen, europäischen Stadt, definiert durch die Leipzig-Charta (u.a. die produktive, gerechte und partizipative Stadt mit kurzen Wegen für alle) ist die Mobilität und die dafür notwendige Infrastruktur immer mitzudenken. Er bekräftigte den strategischen Ansatz des vorliegenden Verkehrsentwicklungsplans, verwies gleichermaßen auf die aktuellen Herausforderungen. Insbesondere mit Blick auf die Brücken stehen die Instandhaltungsnotwendigkeit und der Wunsch nach einem größeren Angebot vor einem Ressourcenproblem – sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Personalkapazitäten. Pläne wie beispielsweise der große Wesersprung als Fahrrad- und Gehwegbrücke sind nicht abgesagt. Es brauche aber Geduld für die Umsetzung.
Für die den Impulsen folgende, lebhafte Podiumsdiskussion vervollständigten Prof. a.D. Dr. Carsten-Wilm Müller (ehemals Hochschule Bremen), Nils Linge, Pressesprecher des ADAC Weser-Ems sowie Mark Peter Wege, Gründer und Sprecher der Initiative einfach einsteigen, den Kreis. Einigkeit bestand darin, dass etwas passieren müsse, um Mobilität in Bremen zu sichern und für möglichst verschiedene Verkehrsträger attraktiv zu gestalten. Prof. Müller (nach eigener Aussage „Seilbahn-Müller“) erläuterte seine Vorschläge für den Bau einer Seilbahn über die Weser als Alternative zu Brücken – auch weil die Realisierung schneller und mit weniger Flächenverbrauch geschehen könnte. Nils Linge erinnerte an gute Alternativen, die bereits existieren und vermeintlich einer Reaktivierung bedürfen. Als Beispiel nannte er die Idee des Park+Ride-Konzepts, das zu einer Entlastung der motorisierten Innenstadtverkehre beitragen kann. Mark Peter Wege berichtete von den Aktivitäten seiner Initiative, die klar auf einen Ausbau und eine Attraktivierung des ÖPNV abstellen. Dazu zählen der ticketlose ÖPNV, der über die flächendeckende Abgabe für alle einen Beitrag zur Stabilisierung und zum Ausbau von Infrastrukturen leisten kann. Ein Zielnetzvorschlag für den stadtbremischen ÖPNV (nahezu eine Verdoppelung der Angebote) wurde bereits vorgestellt, derzeit arbeite seine Initiative an der Erstellung eines Konzepts für eine „echte“ S-Bahn in und um Bremen.
Auch wenn die Ansätze der Diskutierenden sich in der Art der Verkehrsträger unterschieden: Das notwendige Kriterium für ein flexibles und attraktives Mobilitätsangebot ist die Ausstattung mit einer hinreichenden Infrastruktur. Diese stellt die Basis des Zusammenlebens in der „Bandstadt Bremen“ dar.