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Konjunkturumfrage 2026 veröffentlicht

Konjunkturumfrage 2026 unter Ingenieur- und Architekturbüros durch AHO, VBI, BIngK und BAK

Anhaltend angespannte Lage bei den Ingenieur- und Architekturbüros

Berlin, 21. August 2026 
Die Ergebnisse der diesjährigen bundesweiten Konjunkturbefragung unter Ingenieur- und Architekturbüros zeichnen weiterhin ein angespanntes Bild der Konjunktur. Bislang zeigen weder die Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren noch neue Finanzierungsmittel wie das Sondervermögen Infrastruktur erkennbare Wirkungen auf die wirtschaftliche Lage der Büros. Im Auftrag von Verband Beratender Ingenieure, Bundesingenieurkammer, Bundesarchitektenkammer und AHO haben die Marktforscher von IW Consult sowie Reiß & Hommerich bundesweit die konjunkturelle Lage der Branche vermessen.

Die Lage ist volatiler geworden: Bei 37 Prozent der Ingenieurbüros ist die Auftragslage im zweiten Halbjahr 2025 sogar zurückgegangen, während sie bei 30 Prozent gestiegen ist, im Vorjahr sank sie bei 35 Prozent der Büros und stieg bei 27 Prozent. 26 Prozent der Ingenieurbüros fürchten 2026 einen weiteren Rückgang der Aufträge, unter den Architekturbüros sind es sogar 35 Prozent. So fällt auch der Auftragsbestand der Architekturbüros von durchschnittlich 11,5 auf 10,0 Monate stark, während der Auftragsbestand bei den Ingenieurbüros noch 11,3 Monate reicht und damit gegenüber dem Vorjahr mit 11,1 Monaten stabil ist. Dies hängt auch mit der stärkeren Kopplung der Architekturbüros an die privaten Auftraggeber zusammen, bei denen häufiger Kündigungen und Leistungskürzungen zu beobachten sind.

22 Prozent der Architektur- und 19 Prozent der Ingenieurbüros beschreiben ihre wirtschaftliche Lage zum Jahresbeginn 2026 als schlecht oder eher schlecht. Besonders verhalten fällt die Einschätzung bei den Innenarchitekten sowie bei den in der Tragwerksplanung und Verkehrsanlagen tätigen Ingenieurbüros aus. Zufriedener zeigen sich dagegen die Büros für Landschaftsarchitektur und die Ingenieurbüros im Bereich der Objektplanung für Ingenieurbauwerke.

Insgesamt befürchten 5 Prozent, den Betrieb in den nächsten Monaten einstellen zu müssen, 14 Prozent sehen ihre Zukunft als ungewiss. Dabei zeigt sich, dass die Zukunftsaussichten gerade bei den kleinen Büros mit weniger als 10 Mitarbeitern besonders kritisch eingeschätzt werden. Angesichts der dramatischen Lage beim Wohnungsbau und dem enormen Bedarf bei der Infrastruktursanierung und Energiewende ein alarmierender Befund.


Die Ursachen der angespannten Lage liegen vor allem in den wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Bei Ingenieur- wie Architekturbüros werden regulatorische Anforderungen, gestörte Projektabläufe und der wirtschaftliche Abschwung besonders häufig als Hemmnisse genannt. Viele Architekturbüros machen aber auch die Materialkostensteigerungen für die wirtschaftlich maue Lage verantwortlich.

Bundesingenieurkammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Bökamp: „Die wirtschaftliche Lage vieler Planungsbüros ist zunehmend angespannt. Steigende Personal- und Sachkosten und hohe Anforderungen an Planung und Dokumentation setzen die Büros erheblich unter Druck. Wenn wir wollen, dass auch künftig ausreichend Planungskapazitäten und die ‚beste Idee‘ für die dringend benötigte Infrastruktur, den Wohnungsbau und die Energiewende zur Verfügung stehen, müssen Politik und öffentliche Auftraggeber jetzt handeln: Projekte müssen verlässlich finanziert, Prozesse verschlankt und Planungsleistungen angemessen vergütet werden.“

VBI-Präsident Jörg Thiele: „Bislang kommt das Sondervermögen in den Ingenieurbüros nicht an. So wird die Infrastruktur in Deutschland in den kommenden drei Jahren nicht spürbar besser. Wir fordern eine echte Zusätzlichkeit der Mittel, damit endlich mehr Schienen und Straßen saniert werden können. Dafür müssen anstelle des Verschiebebahnhofs relevante Kürzungen im Kernhaushalt erfolgen.“

AHO-Vorstandsvorsitzender Klaus-D. Abraham: „Wir müssen unseren Nachwuchs fördern und jungen Berufseinsteigern Perspektiven mit angemessenen Verdienstmöglichkeiten bieten, um die Qualitätsstandards zu sichern. Auch die Politik muss hierfür die entsprechenden Randbedingungen setzen. Dazu zählt die Novellierung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, die schnellstmöglich abgeschlossen werden muss.“

Hintergrund:
Im Mai und Juni 2026 führten AHO, BAK, VBI und BIngK mit ihren jeweiligen Landeskammern die Online-Konjunkturbefragung mit Unterstützung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Consult) sowie Reiß & Hommerich durch. Insgesamt beteiligten sich 4.859 Architektur- und Ingenieurbüros an der Befragung, nach 2.452 Unternehmen im Vorjahr eine nochmals deutliche Steigerung der Teilnehmerzahl. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise zur Lage der Branche und zeigen, wo politischer Handlungsbedarf besteht: bei verlässlicheren Projektabläufen, angemessenen Honoraren und einer Reduzierung regulatorischer Belastungen. Mit Blick auf die deutsche Infrastruktur wird deutlich, dass die Leistungsfähigkeit der Planungsbüros eine zentrale Voraussetzung für die Umsetzung öffentlicher und privater Investitionen bleibt.

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Eva Hämmerle
Kommunikation + Presse der Bundesingenieurkammer
haemmerle@bingk.de